Aktuell - 31.10.2008 - Videoclip zu "verblödig.fm"

Das ist ja schon irgendwie lustig, nicht? Da fahren wir brav einmal jährlich nach Davos, um es dem dekadenten Pack gepflegt vor den Latz zu rotzen, dass durch Schneebarpartys in den Bündner Bergen die Weltwirtschaft auch nicht humaner wird und interessieren tut es eigentlich - ausgenommen ein paar spektakelgeile Journis - niemenschen. Und dann, völlig unerwartet, kommt der Tamburmajor der globalen Ausbeutungsbolonese, auf dieselbe Idee und posaunt sie raus, als wäre es seine eigene und er eben erst darauf gekommen. Bereits seit Jahren hätte er und sein WEF die Investmentbanker vor den Risiken ihres Tuns gewarnt, sagt Klaus Schwab. Diese hätten aber nicht auf ihn gehört, sondern sein tolles Forum zur Selbstinszenierung missbraucht. Armer Klausi.

Zur gleichen Zeit klatscht die Linke frenetisch in die Hände: Da sich der Kapitalismus ja gerade mal wieder selbst widerlegt und ad absurdum führt, kann ja die logische Konsequenz nur lauten, dass ihr jetzt massenhaft WählerInnen zulaufen. Dabei wird gerne verdrängt, dass die letzte ähnliche Finanzkrise zur Zeit der Weimarer Republik Europa heimsuchte und dass darauf nicht gerade ein paar sozialdemokratische Jährchen folgten. Klar, dass muss nun nicht zwangsläufig gleich herauskommen, es bestünde ja zumindest theoretisch die Möglichkeit, dass uns dieses Mal alternative Lösungsvorschläge von links angeboten werden. Und tatsächlich finden wir dort dieser Tage auch völlig neue Rezepte: Kameraüberwachung, Rayonverbote, Ausweisung krimineller AusländerInnen. Hmmmmm. Und die Juso feiert, dass das nun auch einer der ihren auf oberster Ebene mittragen darf. Und höckelt ein bisschen vor dem Eingang von Bankfilialen rum. Da bleibt mir eigentlich nur zu gratulieren. Wenn es das ist, was ihr euch unter dem Lohn für euer Engagement vorstellt, habt ihr ja eine glückliche Zukunft vor euch.
Eine glückliche, systemkonforme Zukunft. Aber wie hat mein Mami kürzlich so treffend gesagt: "Desillusion ist die Basis eines glücklichen Lebens". Und ihr wisst ja: Mutter hat immer recht.

Zudem: Es ist ja nicht so, dass im Hause Direct Raption längst ein besserer Plan bereit läge, wie die Welt doch noch zu retten wäre. Oder doch? Moment mal.... Nein. Leider nicht. Hätte ja sein können, dass irgendwo in meinem verdammten Sau-Puff (Mami möge mir die Wortwahl verzeihen, falls sie mal nach "Mami" googlet, dadurch auf diese Seite stösst und somit das hier liesst), zwischen dem ganzen Papierscheiss, noch so ein Weltrettungsplan aus besseren Tagen herumliegt. Ist aber nicht der Fall. Dafür liegen hier zahlreiche Pläne für anstehende Projekte, die Gründung eines Labels, Auftritte mit der ganzen Posse, Releases verschiedener Formationen ... Man und Frau darf also gespannt sein. Nun verlassen wir aber endgültig die Welt der grossen Worte, plakativen Phrasen und wagen Andeutungen und kommen zu den wirklich heissen und topaktuellen News rund um meine Wenigkeit: Oli Second. Ja, denn schliesslich ist es ja Sinn, Zweck und Ziel dieser bescheidenen paar Seiten im weltumspannenden Bits-und-Bytes-Netz, mich alleine ins Zentrum der Aufmerksamkeit zu rücken. Unglaublich toll, dieses Gefühl... Solltet ihr auch mal ausprobieren.

Nun denn: Leider kann ich grad nicht rappen, da mir ein paar Zähne operativ entfernt wurden. Collie Herb fragte natürlich sofort: "Besch go schlegle?" (das ist Berndeutsch und heisst: "Hast du dich geprügelt?"), aber die Ursache tut ja eigentlich nichts zur Sache und Gerüchte in diese Richtung können mir beim Aufbau meines Images als harter Rapper ja eigentlich nur helfen, oder? So soll die Frage an dieser Stelle also unbeantwortet bleiben. Egal. Schon wieder schweife ich ab. Statt also auf der Bühne zu stehen, beschäftige ich mich zurzeit grad anderweitig. Soeben wurde mein allererster Videoclip, für den sich Lotta und Luki den Arsch aufgerissen haben, fertig (sorry Mami, falls du immer noch mitliest, aber bei uns ist diese Wortwahl nun mal Gang und Gäbe...). Luki und Lotta sind die beiden AnimationskünstlerInnen, die bereits den Film "Wen stört hier wen?" gedreht haben, den ihr euch hier zu Gemüte führen könnt.

Auch dieses Werk trägt wieder die unvergleichliche Handschrift der beiden. Unerschrocken haben wir uns in den gefährlichen, gefährlichen öffentlichen Raum gewagt. Allen Warnung unserer lokalen und kantonalen Unsicherheitsdirektorinnen zum Trotz, haben wir uns ganze drei Wochen in dieser angeblich soooo bedrohlichen Stadt aufgehalten und gedreht.
Mit Kreide haben die beiden Kreativköpfe auf die Wände gemalt, das Ganze animiert und in Kombination mit Realfilmszenen zu einem einzigen Werk verschmolzen. Mein Lied "verblödig.fm" wurde Stück für Stück interpretiert, visuell umgesetzt und erhält so eine komplett neue Dimension. Als kleines Leckerli für die Kennerin der Szene und den Kenner von Luzern, haben wir noch ein paar besondere Schauplätze eingebaut und Leute wie Mephisto, Django, Collie Herb, Mer2we, die King Killa Soundboy Squad und die ganze Saitan Supa Crew „stürcheln“ auch noch durchs Bild. Am besten kommt ihr am 13. November einfach in die Hofstrasse und schaut euch das Ergebnis an der Clip Premiere an.
Dann zeigen wir euch auch das mindestens so amüsante wie aufschlussreiche Making Of, dass nur gerade mal elf Mal so lang ist, wie der eigentliche Clip...

Ein weiterer Anlass, auf den ich mich sehr freue, ist mein Auftritt zusammen mit Delaya am 21. November im Denk;mal, in Bern. Was wir da genau machen werden, ist noch nicht so richtig klar, die Proben beginnen erst nächste Woche. Aber fett wird es allemal, das dürft ihr an dieser Stelle mal so als festes Versprechen betrachten. Am Tag darauf jete ich dann mit Mephisto nach Wien und gebe mal wieder ein Direct Raption - Set zum Besten. Da kommen wir uns natürlich schon fast wie Stars vor... bis zu dem Moment, wo wir in eine Beierlache im Ecken eines versifften Raums einpennen und dann, stinkend, im Flugzeug zurück feststellen, dass unser Leben doch noch nicht soooo richtig glamourös ist...

So nun, wer liest das schon alles... eine berechtigte Frage. Mein Mami vielleicht? Wohl kaum. Aber du offensichtlich. Also vielen Dank für deine Aufmerksamkeit und nun: Zurück an die Arbeit! Die Revolution macht nicht einfach mal so eben einen Tag Pause! Pack die Rose in die Hand und blockiere deine örtliche Bankfiliale, wähl den dir sympathischen Jungpolitiker oder schlafe mit der dich antörnenden Nachwuchs-Hippie-Schnalle, mach gleich beides oder in umgekehrter geschlechtsspezifischer Rollenbesetzung... kurz: Leb mal wieder und mach was dir Spass macht, trotze dem Winter und höre nicht auf halbschlaue Ratschläge von bekloppten Hobby-Rappern...

Das Werk ist schon fast vollbracht, wir sind die Guten

Liebe und Wahnsinn

Oli Second

31.10.2008