Aktuell - 30.09.2008 - Traurige Ereignisse

Wo bleibt der Aufschrei? Der Aufschrei worüber, fragst du dich? Und somit sind wir schon mitten drin, denn den Aufschrei gibt es nicht und somit auch kein öffentliches Bewusstsein. Gut eingebettet in die bürgerliche Doppelmoral kuscheln sich unbekannte Täter in die liberalen Werte unserer ach so demokratischen Gesellschaft und verüben Anschläge auf die Gassenküche und den Salesiapark. Ähnliche Anschläge gibt es manchmal in Deutschland. Naziskins greifen Obdachlose an. Und wir alle schütteln den Kopf. Armes Deutschland. Nichts dazu gelernt.

Und hier? Ein bisschen blabla über den Stand der Ermittlungen, ein bisschen Palaver. Der Sozialdirektor darf sich äussern. Er ist entsetzt. Wer ist sonst noch entsetzt? Die NLZ? Nein, die titelt lieber "Salesiapark: Doch kein zweites Mal geknallt?". Nüchtern und sachlich, wie mensch es sich bei anderen Themen von dieser Zeitung wünschen würde. "Punkt.ch" und das Regionaljournal sind sogar noch eine Stufe konkreter: Das es keinen erneuten Anschlag gab, ist für sie bereits Fakt. Selbst eine immer wieder schlampig arbeitende Polizei geniesst bei diesen Unternehmen noch mehr Glaubwürdigkeit als ein Augenzeuge.

Luzern: Eine Stadt, die sich für ihre BesucherInen rausputzt. Vorausgesetzt sie sind reich. Eine Stadt, die ihre Jugend an den Südpol wünscht. Eine Stadt, die Millionen für Jodelfeste, Fasnacht und KKL ausgibt. Eine Stadt, die sich keine Boa leisten kann. Hingegen einen KaPo-Chef mit Schlangenzunge. Und eine Dokumentationsstelle mit Hollywood-Ambitionen (http://ch.indymedia.org/de/2008/09/63088.shtml). Eine Stadt, in der schon mal 245 Menschen für das Schwerverbrechen des Feierns in Zeiten, in denen es nichts zu feiern gibt, in einen Tunnel verlocht werden (http://ch.indymedia.org/demix//2007/12/55040.shtml). Beschwerde abgelehnt. Grund: Kein unhöfliches Verhalten der Beamten festgestellt.

Die Originale verschwinden aus der Stadt. Nachwuchs fehlt. Die NLZ trauert darum. Gleichzeitig will die NLZ alles aus der Stadt weggewiesen haben, dass zum Original taugen würde. Und der Blick über den Gartenzaun: Wer erinnert sich an die Sendung "Die Grössten Schweizer Hits"? Eingebettet in chauvinistische Sprüche und Tränen auf Knopfdruck, bei jeder Einzelnen machte der Moderator beinahe Luftsprünge, wählte das Schweizer Fernsehpublikum den grössten Schweizer Hit. Ruedi Rymann gewann. Der Titel: Dr Schacher Seppeli (http://www.sf.tv/sf1/schweizerhits/index.php). Der Inhalt: Das Leben eines Menschen, den wir heute so abschätzig als Randständigen bezeichnen würden. Wie gut kann man sich doch mit diesem sympathischen Süffel identifizieren. In Luzern werden der Zeit gerade Sprengkörper auf solche Menschen geworfen. Drei sind bereits verletzt. Aber Ruedi Rymann sang es ja: Im Himmel müssen es die armen und verlassen Leute schön haben. Im Himmel. Nicht in Luzern. Und dies zu einer Zeit, in der sich auch Naziskins vermehrt wieder auf die Strassen wagen, Menschen angreifen und zum Glück nicht immer unbescholten davon kommen.

Wenigstens eine Gruppe hat das nötige Selbstverständnis, diese Ereignisse nicht einfach unkommentiert stehen zu lassen. Mit einer Pressemitteilung markiert das "Bündnis Luzern Für Alle - Wegweisung ist Willkür!" einsame Opposition. Und bringt wenigstens eine leise Stimme mit queren Tönen in den Chor der Medien.
Und: Am kommenden Mittwoch lädt das Bündnis zum Abendessen im Salesiapark ein. Wir alle fühlen uns angegriffen und wir wollen niemenschen alleine lassen. Wer das gleich sieht, ist herzlich eingeladen: Mittwoch, 01.10.2008, 18.30 Uhr im Salesiapark.

30.09.2008